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Sa, 10.11.2012Brief von Lena Trautmann
Dumela aus Südafrika
Dumela aus Südafrika! November 2012

Wahrscheinlich könnt Ihr es auch kaum glauben, doch seit meinem letzten Rundbrief sind schon wieder zwei Monate vergangen. Diese acht Wochen waren gefüllt mit Spaß, Lachen, Singen, Tanzen und Beten, doch genauso auch mit Wut, Verzweiflung, Trauer und ab und zu war auch ein bisschen Heimweh dabei. In einem Satz waren es einfach furchtbar aufregende und spannende Wochen, wahrscheinlich ist auch gerade deshalb die Zeit so rasend schnell vergangen.
Kurz nach meinem ersten Brief hatte ich für die Kinder einen Tag in einer Art Freizeitbad organisiert. Das Bad veranstaltete einen Tag speziell für Kinderprojekte wie unseres, weshalb der Eintritt frei war und es Essen für umgerechnet 1 € pro Kind gab. Ich hatte alles schon einige Wochen vorher geplant und allen Verantwortlichen Bescheid gegeben. Die Kinder wussten Bescheid und einige Tage vorher lag schon Vorfreude in der Luft. Doch dann musste ich schmerzlich erfahren, dass hier nicht immer alle Dinge so laufen wie geplant, denn einen Tag vorher wurde das Ganze abgesagt, weil wir aufgrund von mangelnder Kommunikation nicht gewusst hatten, dass die Kinder am Religionsunterricht, den sie jeden Samstag besuchen, nicht fehlen dürfen. Das war wirklich wie ein Schlag ins Gesicht. Schon solange vorher hatte ich versucht, alles zu organisieren, und dann sollte alles umsonst gewesen sein. Ich war furchtbar wütend. Doch das Schlimmste war für mich, in die enttäuschten Gesichter der Kinder zu blicken.
Nach diesem Rückschlag hatte ich einige Tage wirklich Probleme, mich wieder neu zu motivieren, doch man lernt hier schnell, dass man sich von solchen Vorfällen nicht gleich aus der Bahn werfen lassen darf. Außerdem hat es mir auch geholfen, dass wir uns dann nochmals mit allen Verantwortlichen an einen Tisch gesetzt hatten, um das Problem zu besprechen. Und so sagte ich auch nicht nein, als ich darum gebeten wurde, das ganze Vorhaben nochmals für einen anderen Tag zu planen. Ich telefonierte also wieder einige Male mit dem Besitzer des Bades und so konnten wir tatsächlich zwei Wochen später, während der Ferien der Kinder, alle gemeinsam einen wunderschönen Tag im besagten Freizeitbad verbringen.
Die schönen Erlebnisse lassen einen dann wieder aufatmen und Kraft tanken für anstrengende Tage. Die hat man hier zum Beispiel, wenn man wieder mal versucht, die Kinder für eine Aktivität zu motivieren. Gerade mit den Älteren gestaltet sich das oftmals schwierig. Es scheint als könnte sie keine Aktivität der Welt von ihrem geliebten Sofa herunter locken. Doch auch dafür haben wir uns nun was einfallen lassen.
Um die Kinder an ein bisschen mehr Selbstständigkeit heran zu führen und auch, weil wir es langsam leid sind, dass wir sie kaum für eine gemeinsame Aktivität begeistern können, wollen wir nun ein Programm für jede Woche gemeinsam mit jeweils vier der Kinder ausarbeiten. Als wir ihnen diesen Vorschlag vor zwei Tagen bei einem abendlichen Meeting unterbreitet haben, hielt sich die Begeisterung zwar in Grenzen, denn schließlich gefällt es ihnen ganz gut, nur faul auf dem Sofa zu liegen, doch letztendlich haben sich dann doch vier Freiwillige gefunden, mit denen wir nun ein Programm für die kommende Woche erstellen wollen.
Ich erhoffe mir davon, dass wir alle Kinder mit einbeziehen können und dass sie merken, dass es Spaß machen kann zusammen etwas zu planen und wenigstens ein, zwei Stunden am Tag ein bisschen Abwechslung in den Tagesablauf zu bringen. Außerdem sind die Vier dann auch verantwortlich dafür, dass das Programm die Woche über durchgeführt wird und jedes der Kinder teilnimmt. Sie können also selbst entscheiden, was sie machen wollen, und lernen so hoffentlich auch etwas selbstständiger zu werden. Denn gerade darin sehe ich noch ein großes Problem. Man hat hier 18 bis 21-Jährige junge Menschen vor sich, doch diese sind so unselbständig, dass ich wirklich Bauchschmerzen bekomme, wenn ich daran denke, was aus ihnen werden soll, wenn sie die Schule beendet haben und aus dem Heim raus müssen. Gerade auch was die Schule angeht, muss man oft mit den Jugendlichen hier diskutieren. Kaum einer lernt freiwillig, doch es führt auch zu nichts, sie dazu zu zwingen. Das musste ich gerade im Fall eines großen Jungen feststellen, der dieses Jahr die Schule beenden wird und nun mitten in den Prüfungen steckt. Er hat es jedoch in den Wochen vor den Prüfungen nicht wirklich für nötig gehalten etwas zu lernen und so haben Clara, Simon und ich in mehreren Gesprächen versucht, ihm klar zu machen, wie wichtig es wäre, dass er sich wenigstens für die nächsten paar Wochen zusammen nimmt und zu lernen anfängt. Einige Tage lang hat dies dann ganz gut funktioniert, doch dann war die Lust am Lernen auch wieder verflogen und man sah ihn den ganzen Sonntag auf dem Fußballfeld anstatt über seinen Büchern. Zum Glück wurden alle Schüler, die für die Prüfungen angemeldet sind, eine Woche vorher noch für fünf Tage in eine Art Lernlager geschickt und auch nun während der Prüfungen, die hier über einen ganzen Monat verteilt geschrieben werden, bleiben die Schüler unter der Woche in der Schule, sodass ihnen die Lehrer auch nach der Schule noch beim Lernen helfen können.
Neben der Arbeit mit den Kindern im Projekt helfe ich vormittags seit zwei Woche auch im Sekretariat der Schule. Dort ist gerade Hochbetrieb, denn im südafrikanischen Schulsystem werden die Klassenarbeiten nicht über das ganze Jahr verteilt geschrieben, sondern immer am Ende des Schuljahres, geballt in einem Monat. Somit musste ich also die letzten zwei Wochen die ganzen handgeschriebenen Klassenarbeiten der Lehrer in den Computer eintippen. Auch wenn die Tage dadurch ziemlich anstrengend sind und ich abends wirklich todmüde ins Bett falle, bin ich froh über diese Abwechslung und es ist toll, den Tagesablauf in der Schule kennen zu lernen und mit den unterschiedlichen Lehrern während der Pause näher ins Gespräch zu kommen.
Ein wunderschönes Erlebnis, von dem ich Euch unbedingt noch erzählen muss, hatte ich vor zwei Wochen, als ich mit einigen Schwestern aus dem Konvent, der gegenüber der Kirche von Pfarrer Ganserer liegt, zu einer Pilgerfahrt mitgegangen bin.
Eine der Küchenfrauen hat mir davon erzählt, dass jedes Jahr im Oktober viele Menschen aus dem ganzen Freistaat zusammen kommen, um Maria zu preisen und die ganze Nacht durch zu beten, zu singen und natürlich zu tanzen. Da bin ich neugierig geworden und so habe ich erfahren, dass die Schwestern mit einem kleinen Bus dorthin fahren. Diese hatten noch einen Platz für mich frei und so war ich also am Samstagnachmittag um 3 Uhr startklar und ehrlich gesagt auch ziemlich aufgeregt, ob es hoffentlich die richtige Entscheidung war mitzugehen und gespannt, was mich erwarten würde. Die Nervosität war verflogen, als ich gemeinsam mit neun Schwestern auf dem Highway unterwegs war. Schon die ganze zweistündige Fahrt über wurden die unterschiedlichsten Kirchenlieder gesungen und ich genoss es, das erste Mal aus Bloemfontein heraus zu kommen. Als wir dann unser Ziel erreicht hatten, fand ich mich inmitten von unzähligen Menschen, die sich alle auf einem großen Hügel versammelt hatten, wo auf einer Art Bühne eine riesige Marienstatue aufgebaut worden war. Davor waren unzählige Bänke aufgestellt. Wir suchten uns also einen Platz und als ich mich um 6 Uhr abends hinsetzte, wusste ich noch nicht, dass ich diesen Platz erst um 6 Uhr morgens, also 12 Stunden später, wieder verlassen würde. Mit Beginn der Kirche verabschiedete sich die Sonne mit einem malerischen Sonnenuntergang und so tauchte ich ein in eine Nacht voller Tanz, Gesang und Gebete. Ich genoss es in vollen Zügen zwischen all diesen Menschen zu singen und zu tanzen und eine der Schwestern übersetzte mir immer wieder, was auf Sesotho gepredigt wurde. Doch auch ohne dass ich verstehen konnte, was die Priester dort auf der großen Bühne sagten, fühlte ich mich angesprochen, denn sie verliehen ihren Worten so viel Nachdruck und man konnte die ganze Menge immer wieder zustimmend und ermunternd rufen hören. Als es dann schon nach Mitternacht war, folgte eine ganze Reihe an Reden von den unterschiedlichsten Menschen, die darüber sprachen, wie ihnen ihr Glaube in schwierigen Lebenssituationen geholfen habe. Auch während der vielen Lieder konnte man im Tanz und Gesang vieler Menschen spüren, dass sie wirklich tiefgläubig waren und ihren strahlenden Gesichtern konnte man ansehen, wie glücklich sie waren, an diesem Abend dort sein zu dürfen, um mit all diesen Menschen zu feiern, zu beten und zu glauben. Irgendwann zwischen einigen der Reden bin ich dann doch immer wieder im Sitzen eingeschlafen, aber als dann um halb vier nachts die eigentliche Messe begann, konnte ich mich wieder wach singen und tanzen. Um 6 Uhr morgens machten sich dann alle in der Morgendämmerung auf den Weg, um noch mit Kerzen zu einem nahe gelegenen See zu pilgern, wo auch noch die unterschiedlichsten Dinge wie Rosenkränze und kleine Marienstatuen mit Weihwasser gesegnet wurden.
Erschöpft, aber wirklich glücklich, machte ich mich danach mit den Schwestern wieder auf den Heimweg und ich bin dankbar, dieses Ereignis miterlebt haben zu dürfen.
Während Ihr in Deutschland ja schon den ersten Schnee zu Gesicht bekommen habt, wird es hier immer heißer und die Temperaturen übersteigen gerade um die Mittagszeit oft die 30 Grad Marke. Da fällt es einem wirklich nicht leicht, in Vorweihnachtsstimmung zu kommen. Doch spätestens an meinem freien Tag in der Stadt, wo einem dann auch von überall Weihnachtsbäume und Weihnachtskugeln entgegen leuchten, weiß ich, dass es nicht mehr lange dauern kann. Um auch die Kinder hier im Projekt ein bisschen auf Weihnachten einzustimmen, möchten Simon und Ich nun in den nächsten Wochen noch Plätzchen backen und weihnachtliche Fensterbilder basteln. Außerdem haben wir uns auch überlegt, einen Adventskalender zu basteln. Ab dem 7. Dezember haben die Kinder dann Ferien und wir werden noch eine gemeinsame Woche haben bevor sie für den Rest der Ferien zu ihren Verwandten gehen werden.
Es werden bis dahin bestimmt noch einige spannende Wochen vergehen, die neben meinen täglichen Gitarrenstunden und unserem neuen Programm bestimmt auch wieder gefüllt sind mit unglaublich vielen, unvorhersehbaren Ereignissen, die das Leben hier so aufregend machen. Wie unser wöchentliches Programm funktioniert hat und ob die Plätzchen geschmeckt haben, werde ich Euch dann beim nächsten Mal erzählen.
Zum Schluss möchte ich mich noch bedanken bei Euch allen, dass Ihr mich nicht vergesst und so toll von zu Hause aus unterstützt, sei es durch liebe Worte, durch das verbreiten meiner Rundbriefe oder wie die Firmlinge in Dischingen, die durch selbstgebackene Leckereien Geld für Dumelang e.V. gesammelt haben.
Meinen Dunstelkingern möchte ich schon im Voraus ein riesiges Dankeschön nach Hause schicken dafür, dass Ihr einen Teil des Erlöses vom diesjährigen Weihnachtsmarkt an unser Projekt hier spenden wollt. Ihr könnt Euch wirklich gar nicht vorstellen, wie sehr mich das freut. Eure Unterstützung macht mir Mut, schenkt mir Kraft und zeigt mir, dass ich das Richtige tue.

Ich schicke Euch ganz viele warme Sonnenstrahlen und wünsche Euch eine wunderschöne Vorweihnachtszeit.

Bis bald, Eure Lena!




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